Wildcamping

Wildcamping in Europa: Wo es legal ist und was du wissen musst

Eine Nacht unter freiem Himmel verbringen, ohne Campingplatz, ohne Sanitäranlage, ohne Nachbarn im Abstand von zwei Metern, das ist Wildcamping in Europa. Für viele ist das ein Traum. Für andere Selbstverständlichkeit. Und für wieder andere erscheint es als etwas, das irgendwie verboten werden muss.

Die Realität ist komplizierter und interessanter als das Verbot oder nicht verbieten und warum. In Europa gibt es sehr unterschiedliche Regelungen zum Wildcamping, von vollständiger Freiheit nämlich bis zum strikten Verbot mit Strafen. Aber wer weiß wo was erlaubt ist, hat mehr Möglichkeiten als gedacht. Wir haben uns damit beschäftigt und waren erstaunt was wir erfahren haben. Das erstaunlichst war das Jedermannsrecht in Skandinavien.

Das Jedermannsrecht: Skandinavien macht es vor

In Schweden, Norwegen und Finnland gilt das sogenannte Jedermannsrecht, auf Schwedisch Allemansrätten. Es gibt jedem Menschen das Recht, sich in der Natur zu bewegen und dort zu übernachten, unabhängig davon wem das Land gehört. Du darfst dein Zelt damit aufschlagen wo es dir gefällt, solange du nicht gerade im Garten eines Privathauses stehst oder Schaden anrichtest.

Ein paar Regeln gibt es aber doch. Das Miteinander braucht das ja denn Rücksichtnahme ist nichts selbstverständliches mehr sondern braucht ein Gesetz. Die Faustregel in Schweden ist daher: mindestens 150 Meter Abstand zu bewohnten Gebäuden, nicht länger als zwei Nächte an derselben Stelle, kein Feuer bei Trockenheit, keinen Müll hinterlassen. Das war es aber dann auch schon. Der Rest ist Natur genießen.

Für alle, die Wildcamping zum ersten Mal ausprobieren wollen, ist Schweden oder Norwegen die ideale Destination. Die Infrastruktur ist gut, die Natur großartig und die rechtliche Lage eindeutig. [LINK: Wildcamping in Skandinavien: Was du mitbringen solltest]

Schottland: Wildcamping als Grundrecht

Auch Schottland hat mit dem Land Reform Act von 2003 ein weitgehendes Zugangsrecht zur Natur verankert. Wildcamping ist in den meisten Teilen Schottlands legal, solange du verantwortungsvoll campst. Das bedeutet im Falles Schottland: kein Feuer direkt auf dem Boden bei Trockenheit, keine dauerhafte Veränderung des Geländes, Rücksicht auf landwirtschaftliche Nutzung. Ich würde sagen das sind eigentlich Selbstverständlichkeiten.

Die schottischen Highlands gehören zu den beeindruckendsten Wildnisgebieten Europas. Wer dort eine Nacht am Ufer eines Lochs oder auf einem Bergrücken verbringt, versteht schnell warum das Jedermannsrecht so viel wert ist.

Die baltischen Staaten: Unterschätzte Wildnis mitten in Europa

Estland, Lettland und Litauen werden als Wildcamping-Destinationen selten genannt, zu Unrecht. Alle drei Länder haben großzügige Regelungen für das Übernachten in der Natur. Estland etwa erlaubt Wildcamping auf öffentlichem Waldboden grundsätzlich, mit ähnlichen Einschränkungen wie in Skandinavien.

Die Natur in den baltischen Staaten ist ruhig, weitläufig und wenig überlaufen. Wer Europa jenseits der bekannten Destinationen erkunden will, findet hier echte Wildnis zu überschaubaren Reisekosten.

Österreich und die Schweiz: Ja, aber…..

In der Schweiz ist Wildcamping oberhalb der Waldgrenze in den meisten Kantonen erlaubt, im Wald und auf landwirtschaftlichen Flächen hingegen verboten oder genehmigungspflichtig. Wer in den Alpen unterwegs ist, hat also durchaus Möglichkeiten, eine Nacht am Berg zu verbringen.

Österreich handhabt es ähnlich. In Nationalparks ist Wildcamping grundsätzlich verboten, außerhalb gibt es je nach Bundesland unterschiedliche Regelungen. Ein Blick auf die lokalen Vorschriften lohnt sich also immer um auf der sicheren Seite zu sein.

Deutschland: Enger Rahmen, kreative Lösungen

In Deutschland ist Wildcamping im Wald grundsätzlich verboten, da Wälder nach dem Bundeswaldgesetz zwar für die Erholung zugänglich sind, das Übernachten aber nicht einschließt. Ausnahmen gibt es in manchen Bundesländern auf bestimmten Flächen, in der Regel mit Genehmigung des Eigentümers.

Was funktioniert: Bushcraft-Kurse, die auf Privatgrundstücken stattfinden, offizielle Wildniscampingplätze ohne feste Infrastruktur, und das stille Biwakieren, also das Aufschlagen des Lagers nach Einbruch der Dunkelheit und das Weiterziehen bei Tagesanbruch, das in einer rechtlichen Grauzone liegt und von vielen Wanderern praktiziert wird.

Was du überall brauchst

Egal wo du campst: kein Feuer ohne ausdrückliche Erlaubnis bei Trockenheit, keinen Müll hinterlassen, keine Pflanzen beschädigen, Rücksicht auf Tiere in der Brut- und Setzzeit. Das sind keine bürokratischen Regeln, das ist die Grundlage dafür, dass Wildcamping überhaupt möglich bleibt.

Wildcamping ist kein Abenteuer auf Kosten der Natur. Es ist ein Privileg, das mit Verantwortung kommt. Wer das versteht, findet in Europa mehr Möglichkeiten als erwartet.

Von Petra